1903 - 1912

Über das erste Jahrzehnt der 100-jährigen Geschichte des Schützenvereins zu Moorburg e.V. liegen außer einer Liste der damaligen Könige und Adjutanten keinerlei Aufzeichnungen mehr vor.

Es gibt auch keine sogenannten „Zeitzeugen“ mehr.
Wir lesen aber an anderer Stelle, dass sich im August 1903„wehrhafte und ortsverbundene“ Moorburger zur Gründung des Vereins zusammen fanden. Vereinslokal war von Beginn an „Blankau's Salon“, dessen Besitzer, der Gastwirt Heinrich Lohmann, natürlich auch Mitglied wurde.

 

Auf dem Gelände von Lohmann entstand auch der Schießstand mit bis zu 175 m langen Schießbahnen.

Der 1. Vorsitzende des Vereins bei Gründung war der Hofbesitzer Nicolaus Harms, der erste Kommandeur soll Johann Hinrich Ritscher, bekannt als „Moorkather“, gewesen sein.

Schon bald nach der Gründung wurde auch ein Spielmannszug aufgestellt, der zunächst von dem Lehrer und Organisten Otto Winckler geleitet wurde, später übernahm Fritz Pinkenburg den Tambourstab.
Es heißt, der Verein habe Ende 1903 schon fast 90 Mitglieder gehabt.

Wir können also mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Verein sich positiv entwickelte und Zustimmung in der Moorburger Bevölkerung fand.
Ab 1904 gab es auch die jährlichen Schützenfeste, bei denen ein König und Adjutanten ermittelt wurden.

Erster Schützenkönig war der Landmann Hermann Foss. Es gab auch Schützenumzüge und Schützenbälle, alles unter freudiger Beteiligung der Einwohnerschaft, die zu diesem Anlass ihre Vorgärten schmückte.

 

Es wird die üblichen Vereinsrituale gegeben haben mit Fahnen, Orden und Ehrenzeichen, irgendwann auch eine Satzung. Die Mitgliederzahl wird von Jahr zu Jahr gestiegen sein.

 

Sicher gab es auch vereins-interne Auseinandersetzungen über den einen oder anderen Punkt, gravierende Probleme oder gar ernste Krisen im Verein sind aber in den Jahren kaum vorstellbar. Wirtschaftliche Blütezeit, politische Stabilität, gesundes Wachstum, so muss man sich die Zeit denken. Und fortschrittlich waren die Moorburger insofern, als dass von Anfang an bei den obligatorischen Schützenessen auch die Damen präsent waren, damals durchaus noch keine Selbstverständlichkeit.

Aber gerade weil wir im Grunde nur wenig über diese ersten Jahre des Vereins wissen, möchten wir hier ein paar Begebenheiten von damals kurz belichten, um

dem Leser diese Zeit etwas bildhafter vor Augen zu führen.

 

*1903, am 31. Mai, fand das erste Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft statt, und zwar auf dem Exerzierplatz von Altona.
Vor etwa 2.000 Zuschauern siegte damals der
VfB Leipzig 7:2 (1:1) über den DFC Prag.

 

*1906 wurde in Hamburg das Bismarck-Denkmal eingeweiht, der Michel  brannte ab, der Hauptbahnhof wurde in Betrieb genommen, und Hamburger

Autos erhielten das Kennzeichen HH. 1907 öffnete der Tierpark Hagenbeck in

Stellingen seine Pforten, 1908 wurde die Hamburger Musikhalle eröffnet,
1909 das Hotel Atlantic an der Alster. Und 1909 veranstaltete der 1861 gegründete  Deutsche Schützenbund für eine Woche im Juli ein Bundesschießen in  Hamburg mit einem prachtvollen Festumzug. Wir sind sicher, dass auch die Moorburger Schützen zumindest mit einer Delegation vertreten waren.

 

*1909 wurde in Moorburg ein „Familienclub“ gegründet, der sich die Pflege der Geselligkeit und Literatur auf die Fahnen geschrieben hatte und besonders im  oberen Teil Moorburgs Verbreitung fand. Erster Vorsitzender war Pastor Stüven.

 

*1909 wurde die Mönckebergstraße nach Abschluss der Bauarbeiten feierlich eingeweiht, die Landungsbrücken fertig gestellt, und in der Dammtorstraße

eröffnete das Waterloo, ein Kinopalast für „Besucher der gehobenen Kreise“.

 

*1910 hatte die Einwohnerzahl Hamburgs die Millionen-Grenze erreicht und überschritten, 1911 wurde der alte Elbtunnel für den Verkehr freigegeben.
Die Fa. Beiersdorf brachte Nivea-Creme auf den Markt und, last not least, die Firmen Karstadt in der Mönckebergstraße und Tietz (heute Alsterhaus) am Jungfernstieg eröffneten ihre Konsumtempel.
Hamburg boomte, und Moorburg wird davon profitiert haben.


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